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853-0322-00L 3 Credits
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Advanced course (seminar)

Seminar I

VVZ CR n/a

Last Updated: 2026-02-05 15:02:02

Abstract

Systematically examine the phenomenon of "violence" and discuss it on the basis of selected readings. Analyse issues of the development of macro-violence in a sociological perspective and deal with the factors of readiness to use violence as well as studying and evaluating pedagogical insights and recommendations.

Objective

Die Teilnehmer als künftige Angehörige einer Organisation, die vom Gewaltkalkül bestimmt ist, sollen 1. sich mit dem Phänomen "Gewalt" , grundsätzlich in systematischer Weise und mittels Lektüre ausgewählter Literatur auseinandersetzen, 2. sich Fragen der Entwicklung von Makrogewalt (zwischenstaatliche, privatisierte, asymmetrische u.ä.) in soziologischer Perspektive stellen, u.a. mittels mit Erarbeiten eines Seminarbeitrags, 3. sich aus psychologischer Sicht mit den Faktoren auseinandersetzen, welche bei Menschen zu erhöhter Gewaltbereitschaft bzw. -Anwendung führen sowie die pädagogischen Erkenntnisse und Empfehlungen im betreffenden Kontext sichten und werten 4. Bezüge zum eigenen Beruf und zum Arbeitsfeld "Militär" herstellen.

Content

Ausgangslage Die klassischen Fortschritts- und Zivilisationstheorien des 18. und 19.Jahrhunderts prognostizieren einen zunehmenden Rückgang an inner- und zwischengesellschaftlicher Gewalt. Das Phänomen Gewalt würde langfristig an sozialer Bedeutung verlieren, innergesellschaftlich u.a. durch eine bessere Affektkontrolle und zwischengesellschaftlich durch friedlichen Wettbewerb und Markt anstelle von Krieg. Die wirtschaftliche und bildungsgestützte Emanzipation der Menschen in der modernen Gesellschaft sowie der Prozess der Demokratisierung der Saatenwelt würden beides fördern. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert und die damit einhergehende Industrialisierung bzw. Totalisierung des Krieges weckten Zweifel grundsätzlicher Art an diesen Prognosen. Auch wenn seither die zwischenstaatlichen Kriege in der Tat tendenziell der Vergangenheit anzugehören scheinen und die Zahl demokratisch organisierter Nationen wächst, ist die Skepsis an den grossen Entwürfen der Aufklärung nicht beseitigt. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die innergesellschaftliche Mikrogewalt scheint quantitativ nicht ab-, sondern zuzunehmen. Zwischenstaatliche Kriege werden in wachsendem Masse ersetzt durch neuartige gewaltsame Konfliktformen sowie eine bisher nicht gesehene Zunahme privatisierter Gewalt auf internationaler Ebene (Terrorismus, War Lordismus u.ä.). Die frühere Abgrenzung zwischen- und die innergesellschaftliche Gewalt beginnt sich zu verwischen. Bezogen auf die individuelle Ebene ist weitgehend unbestritten, dass Aggression einer der Grundtriebe des Menschen darstellt. Die wegweisenden Untersuchungen von Milgram und Zimbardo haben gezeigt, dass man unter bestimmten Bedingungen zu aggressiven Handlungen, die man sich zuvor nie zugetraut hätte, fähig ist. Psychologische Theorien liefern Erklärungen dazu, weshalb wir über ein Aggressionspotenzial verfügen und wie es sozial verträglich abgebaut werden kann, wobei sich die einzelnen Ansätze teilweise beträchtlich voneinander unterscheiden. Demzufolge können Gewalthandlungen wohl nur vor dem Hintergrund der konkreten Situation, der beteiligten Personen bzw. Gruppen und unter Einbezug verschiedener Theorien gedeutet werden. Mögliche Themata für Seminararbeiten Soziologischer Ansatz: 1. Krieg und Gewalt - Änderung der Gewaltformen im Zeitverlauf (sozialhistorische Arbeit) 2. Einhegung der Gewalt in kriegerischen Konflikten (historisch-rechtliche Arbeit) 3. Gewalt im Militärdienst (Begrenzung auf die Schweiz: Erscheinungsformen, Häufigkeit, Ursachen, aktive/passive Gewalterfahrungen; empirische Arbeit) 4. Suizid im Militär (empirische Arbeit, Schwerpunkt Schweiz, ev. international vergleichend) 5. Unterschiedliche Gewaltneigung bei Mann und Frau? (anthropolog.-soziolog. Ansatz, Recherche wiss. Literatur zum Thema, ev. als Subthema auf Männer/Frauen in Streitkräften eingeschränkt) 6. Raum und Gewalt (These wonach räumliche Enge/Isolation/Eingeschlossensein Gewaltneigung verstärkt, sogenannter "Crowding"-Effekt, ebenso: Distanzwaffen scheinen Gewalthemmungen abzubauen; Recherche wiss. Literatur zum Thema) 7. "Das Gewehr im Schrank" - Die Ordonnanzwaffe als Kriminal- und Amokwaffe? (Begrenzung Schweiz; Recherchen bei Polizei und in Literatur) 8. Medien und Gewalt (soziolog-psycholog. Ansatz, theoretisch oder/und empirische Arbeit) 9. Privatisierung der Gewalt - Gewaltmärkte (Erosion des staatl. Gewaltmonopols, neue Kriege) Psychologisch-Pädagogischer Ansatz: 1. Aggression und Gewalt aus der Perspektive bestimmter psychologischer Menschenbilder (Literaturarbeit) 2. Gewaltdarstellungen im Film oder in der Literatur - Was will man damit erreichen? (psychologische Erklärungsansätze; Literaturarbeit, evtl. Expertenrating) 3. "Gezüchtete" Gewalt - Wie man aus Menschen Tötungsmaschinen macht? (Gezieltes Abtrainieren der Tötungshemmung; Selbstmordattentäter etc.; eingesetzte Verfahren; aber auch: Massnahmen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft) 4. Formen

Resources

Literature

- Heitmeyer, Wilhelm & Hagan, John (Hrsg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002

General Information

Language
German
Frequency
Yearly recurring

Examination

Type
ungraded semester performance

Course Components

Type Title Time & Place Hours
seminar Seminar
Permission from lecturers required for all students.
  • Thu 09:15-12:00 (HG E 41)
3 h weekly

Offered In