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Entwurf V-IX: Sandstein (E.Mosayebi)
Last Updated: 2026-07-21 00:35:09
Abstract
Wir befassen uns mit Sandstein, seinen Abbau- und Verarbeitungsprozessen sowie seiner Rolle als tragendes Bauteil für strukturell-konstruktive Systeme. In den Städten Fribourg und St. Gallen entwickeln wir Grundrisse für das Wohnen und suchen nach den architektonischen Qualitäten und ästhetischen Potenzialen, die sich durch die Betrachtung von Materialprozessen und zeitlichen Zyklen ergeben.
Objective
MATERIAL UND KONSTRUKTION Die Studierenden eignen sich Wissen zu Sandstein und dessen Abbauprozessen an. Aus diesen Erkenntnissen lernen Sie das Gebäude als strukturell-konstruktives System zu entwickeln, das die heutigen Prozesse der Natursteingewinnung abbildet und beleuchtet. GRUNDRISS UND KONTEXT Die Studierenden lernen, oben genannte Stränge in einem kohärenten, experimentellen Grundriss für das Wohnen zu vereinen. Ebenso legen wir Fokus auf die Einbettung in den lokalen Kontext: Sie lernen Ihr Gebäude auf ausgewählten Bauplätzen der Städte Fribourg und St. Gallen städtebaulich einzugliedern. NARRATIV UND PRÄSENTATION Auf der Suche nach Narrativen der Zeit lernen die Studierenden ihre Projekte mehrdimensional zu begründen. Mit der Betrachtungsebene der Zeit untersuchen wir Rhythmen von Nutzung, Bauteilzyklen sowie die Alterung von Material. Das erarbeitete Narrativ hilft Ihnen dabei, das Projekt zu einem konsistenten Ganzen zu formen und nach aussen zu kommunizieren.
Content
Berner Molasse, Bollinger Sandstein, Basler Buntsandstein, Molasse de Villarlod sind identitätsstiftende Natursteine, mit denen ganze Städte gebaut wurden. Der eher weiche, kompakte und homogene Stein entstand aus der Verfestigung von kleinsten Sandkörnern verwitterter und über Gewässer fortgeschwemmter Gesteinstrümmer. Je nach Sandzusammensetzung erscheint er gelblich, gräulich, rötlich oder bläulich und verleiht den Städten ihre charakteristische Farbe. Über Jahrhunderte wurde er als edler Werkstein für Fassaden, Sockel oder Treppen eingesetzt, auch weil er sich von Steinmetz*innen gut bearbeiten lässt. Einige Sandsteine reagieren empfindlich auf das Klima – Regen und Wind lassen sie erodieren, sie müssen deswegen laufend unterhalten und repariert werden. Heute findet Sandstein im Neubau kaum mehr Verwendung, er wurde durch industrialisierte Baumaterialien verdrängt, obwohl er tragfähig und dauerhaft ist. Zu Beginn des Semesters porträtieren die Studierenden aktive Sandsteinbrüche der Schweiz. Untersucht werden geologische Entstehung, unterschiedliche Sandsteinqualitäten, Abbautechniken, Blockgewinnung und die Weiterverarbeitung zu Werksteinen. Ein besonderes Augenmerk gilt den materialimmanenten Eigenschaften wie Schichtung, Porosität, Druckfestigkeit und Verwitterungsverhalten. Als Entwurfsorte wählen wir Fribourg und St. Gallen, beides Städte, deren Baukultur wesentlich durch Sandstein geprägt wurde. Vor dem Hintergrund des steigenden Wohnraumbedarfs und Fragen der inneren Verdichtung entwerfen die Studierenden wandelbare Wohnhäuser, die Sandstein als konstruktives und räumliches Prinzip neu interpretieren: vom Steinbruch über Detail und Tragwerk bis zur städtebaulichen Setzung und zu experimentellen Grundrissen. Einen besonderen Fokus erhält dabei die Tektonik des Hauses und ihr Ausdruck an der Fassade. Architektur und Zeit bilden den konzeptuellen Rahmen des Semesters. Untersucht werden Alterungsprozesse, Reparaturfähigkeit und Erneuerungszyklen von Sandsteinbauteilen sowie die Veränderung von Raum und Nutzung über unterschiedliche Zeitskalen. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen bildet den entwerferischen Rahmen. Das Sandsteinsemester steht in unserer Reihe zu Bauen mit Naturstein: Nach Kalk folgt nun Sandstein, im nächsten Semester widmen wir uns Granit und Gneis. In Workshops erstellen wir Muster aus Sandsteinputz und bauen steinerne Konstruktionsmodelle im Massstab 1:20. Mit dem Künstler Taiyo Onorato entstehen experimentelle Visualisierungen. Geplant ist eine Exkursion nach St. Gallen und zum Steinbruch Bärlocher in der ersten Woche. Gäste: Jürg Conzett, Marlène Leroux, Steve Webb, Christian Bärlocher, Charlotte Truwant, Robert Flatt In Kooperation mit Prof. Dr. Jacqueline Pauli und Künstler Taiyo Onorato
Resources
Lecture Notes
Ein Thema-Heft mit Terminplan, den erforderlichen Abgaben sowie den Beurteilungskriterien wird zu Beginn des Semesters im Studio ausgegeben.
Literature
Eine umfassende Literaturliste wird zum Semesterbeginn ausgegeben.